schreibübungen

ein wetter bericht

das wort schnee
ist gefallen



augenblickliches gedicht

es folgt:
ein gedicht zum thema AUGENBLICK
("augenblickliches gedicht") von i.r. gendwer
vorbei

[das gedicht ist veröffentlich in der 2008 erschienenen anthologie "FRANKFURTER BIBLIOTHEK" der clemens-brentano-gesellschaft]



gedicht ohne e

gedicht
ohne e
gdicht
ohn
ohn
e
oh n
e
gedicht
oh ne



versuchsaufbau

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z



sonett ex negativo

wiefies



ANALiSE

. I



experimentelle gattungen

< texte >
/ tekste /
[t]ex[t]e



"Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit"

ui, katzenheul ist
beim sauerherz,
du v.
prost! - i.r.



jenseits (postinfernalisches gelage)

vorm haberfeldtreiben kommentiert der vokalist seine notizsammlung auf der schlafcouch im dockhafen antonymisch

während des lichtbildvortrags auf der schlafcouch zum undefinierbaren machiavellismus baggert das nichtberufsfähige ührlein unter seinesgleichen

zwanzigtausend nullleiter und wälzer läuten das ührlein antonymisch um mit den ackerbautreibenden söckchen in der malachitvase sicherzugehen

die rumänischen söckchen in der rumänischen malachitvase definieren die schlafenszeit unter ihresgleichen mit antonymischem härtegrad

ihrethalben sichern dantische schlagersänger beim aufbaggern greiser romane mit stützflügeln das vergehende einerlei:

trotz langbeiniger lese-rechtschreib-schwäche und ohne gutachtliche daseinsberechtigung beim antonymischen gehenna im undefinierbaren dockhafen dabeisein!

nichtsdestominder schnappt der standortälteste von oben inhaltsschwer den undefinierten absolventen

im wrack begehen die aufbaggernden sinnenmenschen mit stoßkraft ihrerseits ineinander wortbruch am signore

unkontrollierbare totalität unter seinesgleichen



"Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit" II

s-bus voll
jung-mann
hut sanft langhals
nachbarstoss
platzsturz
am romahof (paris):
nachbar nochmal
+ nachbar
sagt:
+ knopf dran
(im ausschnitt)



anton voyl

hat schlaf nötige doch anton
kommt nicht zume schlaf und
macht licht aufe antons uhr
ists null uhre zwanzig anton
ächzt laut wälzte sich mal

so rum unde mal so
rum antons schlafcouche ist hart
stützt sich danne auf griff
sich 'n romane schlug ihn
auf und lase doch lang

ging das nichte gut da
anton vom inhalte nichts absolut
nichts schnallt unde ständig auf
'n wort stößte wovon ihm
sinn und signifikatione total unklar

ist also klappte anton das
buch zu unde ging ins
bad dort machte anton das
handtuch naß unde fährt sich
damit gründlich durche antlitz und

auch antons halse kommt dran
antons puls schluge zu stark
ihm war warme anton macht
das wandloch mite glas davor
auf und schaute durch nacht

und wind zume mond hinauf
warm wars doche nicht zu
warm vom vororte drang kaum
hörbar lärm zue ihm rauf
vom kirchenturm schlugse dumpf und

matt zwomal auf 'me kanal
saint-martin fuhr sanfte das sandschiff
dahin und pfiffe schrill aufm
glas vom wandloche gings animalisch
zu thorax indigoe dorn

scharf so sah dase monstrum
aus was war dase nicht



berganlauf

lauf
an
berg
an
lauf
an
berg



geniediskurs

"jeder mensch ist ein künstler". - j. beuys

"jeder künstler ist ein mensch (oder eine maschine)." - i.r. gendwer



bericht aus b

und pelzig zungt ein weggeschlafner morgen
unerbittlich sich ins zimmerschwarz
und durch geschwollne lider augt
ungebeten eine erbarmungsblaue ahnung
schlaglichartig passiert die spätvorstellung
der letzten nachtrevue die ferne
auf schienen in meinem kopf
schon s-bahn-dämmerung
es tagte längst



s-loses geschreibsel

lindern dichter reine narben
beichte deiner narren leid
bleiern reichen tränen dir
leicht derb die raren nieren
trennen leiber dich darin
lern arbeit reicher diener



tränenbett

am tränenbett gestanden und geschaut
doch nichts begriffen nichts gesagt
kein wort hat noch getaugt
ein augenaufschlag ohne sinn
durch den die leere blickt
kein wort das fasst das fühlt das trifft
am tränenbett gestanden und geschaut
und alle worte schweigen
doch stille ist so laut
am tränenbett gestanden und geschaut
noch nicht begriffen:
das wetter war doch schön



*mein(zür[n])ich

an irrbericht: red sinnleerer,
blinder schreiter, nieren rar.
redlicher narr. erbsentier in
irrleibastern der rechnerin.
irrlichternder seebrei rann.
rinne, seichtredner, laber irr,
irr, irr! reiche brennende last
breiter rindl nieren rascher.
strebernde laerchin irr rein -
randleiber schirrten reiner,
irrlichtern seidener! barren?
schreib, reiter, narrenlieder,
raster reiche irrleiber, denn
streicher reden lieb. irr rann
silbernder reiter. reich rann
irrsinn. bart. leier, red, rechne,
schreibe irr: leiernd narrten
narben streicher leiernd irr.
rache! bildner, trenn reis irre,
reib teiler scharrender! rinn,
rinn aeschern, irrtrieb! leder,
brich leiernd! rastern, reiern.
naechster: reier. renn, irrbild!
randirre erbricht leersinne -
"an irrer leere bricht der sinn".

[Material: Unica Zürn: "Und scheert ihr Rosenbaertlein ab (IV)", 1957]



poetischer halbfinalseinzug

D ie vollendung mit dem sieg gegen A
E s ist gewiss: nicht meh R
U nd nicht weniger schüsse zum erfol G
T ore macht tore macht tor E
S amstagabend war das spiel gewonne N
C ool nicht überdreh T
H erausgespielt gegen ein händeschütteln mit mess I
L öw und die bundeskanzlerin tanzte N
A uch in schwarz-rot-goldenen farben zum viertelf I-
N ale per hackentrick in der 80. minut E
D rei der vier Tore waren der pla N

[Quelle: Die Zeit]



the future is analogue (für k.d.)

fernost liegt heu. au, au!
ui, rosengefuehl tat au!
heute louis fragen. tau
auf! sehe treu: in tau log
goethe. u, faeulnis raut
haeufig lau. toenst reu,
laotse! gruefte in a. uhu
steig lau, taufe roh neu
eros. laeuft gut! nue hau
frauen. seit auto: glueh,
efeu. natura: gut, helios
hat autos. lueg ein feuer
in o. tauet flughaeuser,
glueht taeufer in o. - sau!
filou! husten arge taue.
freuen laut: sog. haut, ei-
ter. haeutung. las 'u.f.o.' in
fruehlinge: ast, auto, e.u.?
"the future is analogue"



drei anlger
oder: die ballade vom floß im brakelloch (für s.k. und m.f.k.) 

Getan ward nie zuvor ein Sprung
– Wie dieser hier so schön besung’ –
Nach einem Floß im Brackelloch,
Dort wo das Floß treibt heute noch. 

Drei Angler treten durch die Buchen
Im See nach Petris Heil zu suchen.
Mit Schnur und Haken schreiten sie zur Tat
Und auch die Würmer sind parat.

Ans Ufer steigen sie hernieder
Und summen ihre Anglerlieder.
Doch als sie an das Wasser dringen,
Verstummt alsbald das heit’re Singen:

Das Floß treibt auf dem Brackelloch
Und Wind und Welle treiben’s noch
Vom Ufer unerreichbar fort;
Kein trock’ner Fuß gelangt so je an Bord.

Nach viel zu lang entsetzter Stille
Fasst fragend einer sich die Brille:
„Ich weiß nicht ein, nicht aus, noch weiter;
Mir scheint’s, wir bräuchten hier ’ne Leiter.“

Darauf versetzt der Größte von den drei’n,
Um als Erfahrenster nicht ohne Rat zu sein:
„’Ne Leiter macht doch keinen Sinn –
Ein Lasso, hätt ich’s, würf ich hin!“

Doch aus den mitgebrachten Sachen
Lässt sich kein Rettungswerkzeug machen.
„Wir könnten –“, setzt die Brille an, verstummt und sagt:
„Was wiegt denn schon Gedanke gegen Tat!“

So steh’n die drei und blicken stumm
Sich rings umher nach Hilfe um.
„Nichts nützen Brille und Statur
In der idyllischen Natur!“

Das sagt der Kleinste von den drei’n,
Um sich von seiner Kleidung zu befrei’n.
Schon liegt sein Adamsleibe bloß –
Springt er ins Wasser Richtung Floß.

In ein paar Zügen schnell geschwomm’,
Hat er auch schon das Floß erklomm’,
Und paddelnd mit der Hände Kraft,
Hat er’s ans Ufer bald geschafft.

Die Freud ist bei den Freunden groß:
Nicht nur gerettet ist das Floß,
Auch der ersehnte Angelausflug kann
Erfolgen – endlich! – dank dem Mann.

Am Ende biss kein einz’ger Fisch.
So kam am Abend auf den Tisch

Die wahrhaft wahrliche Ballad’
Von jener heldenmut’gen Tat. 

Getan ward nie zuvor ein Sprung
– Wie dieser hier so schön besung’ –
Nach einem Floß im Brackelloch,
Dort wo das Floß treibt heute noch.